Nachwort

 

Wenn eine Oase sprechen könnte, dann würde die Turpan-Oase heute vielleicht nicht nur sagen: „Ich bin etwas ganz Besonderes“, sondern auch:

„Ich leide. Ich weiß nicht, was mit den Menschen geschehen ist, dass sie mich so zurichten. Über Jahrtausende war ich eine blühende Oase, im Gleichgewicht mit der Natur. Ich habe Verdurstende gerettet und den Bauern reiche Ernte geschenkt. Sie haben es mir gedankt, indem sie Kanäle bauten und nur so viel von mir verlangten, wie ich ihnen aus freien Stücken geben konnte. Jahrtausende lang haben die Menschen mich geliebt, aber nun scheinen sie nur noch ihren Profit zu lieben. Ich weiß nicht, was das ist, denn ich brauche keinen Profit. Was ich brauche, ist ein Leben im Gleichgewicht, aber genau dieses zerstören sie und mir wird angst.

 

Seit nunmehr über einem halben Jahrhundert kommen fremde Menschen mit riesigem Gerät und wühlen in der Erde nach Bodenschätzen, bohren immer tiefere Brunnen, um immer mehr Felder zu bewässern und immer mehr von dem kostbaren Grundwasser abzupumpen, obwohl es sich nicht erneuern kann. Das gute alte Karez-System lassen sie verkommen, weil es ihnen nicht ausreicht. Sie wollen mehr und immer mehr. Sie denken nur an jetzt und nicht an die Zukunft. Sie beuten mich aus, mich die Oase, die ihnen so viel Gutes getan hat. Früher, da waren die uigurischen Bauern und ich Freunde. Wir verstanden uns. Sie lernten von ihren Eltern, wie man mit mir umzugehen hat, wenn man eine Ernte einbringen will, doch heute kennen die fremden Menschen nur noch sich selbst. Sie achten nicht diejenigen, denen ich seit Jahrhunderten vertraut bin, sondern hindern sie daran, ihr Leben so zu leben, wie sie es für gut halten. Sie machen Mensch und Land kaputt. Ja, ich habe wirklich Angst. Ich habe Angst, dass sie weitermachen werden, bis ich Wüste geworden bin.

 

Ihre Turpan-Oase