Uigurische Literatur

 

Die frühen literarischen Werke, die in den alten Stätten der Seidenstraße gefunden wurden, waren zum großen Teil Übersetzungen religiöser Texte, aber es fanden sich darunter auch Erzählungen, Gedichte und Texte zu anderen Themen, in den Ruinen von Kroran (Loulan) sogar ein erstes Umweltschutzgesetz: „Wer einen Baum fällt, muss dafür eine Kuh zahlen.“ Es sind viele alte Schriftdokumente erhalten geblieben. In einer Kammer der Mogao-Grotten von Dunhuang lagen allein etwa
50 000 Schriften aus dem 4. bis 11. Jahrhundert, die Mönche im Jahre 1036 eingemauert hatten, um sie vor den Mongolen zu schützen. Darunter war auch das Diamant-Sutra, ein Text aus dem Mahayana-Buddhismus, das am 11. Mai 868 als Holztafeldruck hergestellt wurde. Es gilt als das älteste Buchdruckerzeugnis der Menschheitsgeschichte. [1]

Nach der Islamisierung entwickelte sich Kashgar zu einem kulturellen Zentrum, in dem mehrere große Gelehrte wirkten: Yusup Has Hajip (1019-85) verfasste das „Kutadgu Bilik“ (Weisheit, die Glück bringt), worin er das gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben der Uiguren jener Zeit beschrieb, und auch das „Turki tillar diwani “ von Mahmud al-Kashgari (1005-1102) ist ein bedeutendes wissenschaftliches Werk, das die unterschiedlichen Dialekte aller Turkvölker untersucht, eine Landkarte der damals bekannten Welt enthält und ebenfalls ausführliche Schilderungen der gesellschaftlichen Entwicklung, Erziehung, Sitten und Gebräuche liefert.

Neben wissenschaftlichen Werken, Gedichten und Übersetzungen war aber vor allem die Oralliteratur von Bedeutung: Märchen, Legenden, Fabeln und Heldenepen wurden nur mündlich überliefert. In der späteren schriftlichen Literatur lassen sich Elemente aus westlichen und östlichen Kulturen wiederfinden, ab dem 19. Jahrhundert auch aus Russland, vor allem als die Literatur der Romantik zum Realismus überging. Insbesondere Puschkin und Gorki übten einen starken Einfluss auf die uigurischen Schriftsteller aus, die in den Sowjetrepubliken lebten. Zu nennen sind u.a. Abdurehim Ötkür, Lutfula Mutalip, Hizmet Abdullin und Ziya Samedi.

Sie schrieben über Freiheit, Kampf gegen Unterdrückung und Patriotismus. Hizmet Abdullin, geb. 1925 in Alma-Ata, übersetzte viele Werke der russischen Literatur ins Uigurische, ehe er selbst zu schreiben begann. Er sinnierte viel über das Thema „Freiheit“: Freiheit, die nur auf Kosten der Freiheit anderer Menschen zur Freiheit wird, ist eine egoistische Freiheit. Sie hat keinen Wert, weil sie Leiden verursacht. Eine andere Form der Freiheit, nämlich die, die allem und jedem bedenkenlos freien Lauf lässt, ist ebenso wertlos, denn hinter ihr steht Gleichgültigkeit, Gefühllosigkeit, Verantwortungslosigkeit. Es muss eine Freiheit geben, die auf menschlicher und politischer Gerechtigkeit aufbaut!

Ziya Samedi (1914-2000) kam wegen seiner Guomindang-kritischen Werke in Haft, bekleidete später wichtige Ämter in der neuen kommunistischen Regierung, doch 1958 beschuldigte man ihn separatistischer Ideen und verurteilt ihn zu mehreren Jahren Arbeitslager. Er floh in die Sowjetunion, wo er 1980 für seine Verdienste um die uigurische Literatur den kasachischen Literaturpreis erhielt. In einem seiner bekanntesten Werke „Maimhan“, erzählt er die Geschichte uigurischer Bauern, die den Kampf gegen die ungerechte Obrigkeit aufnehmen und verlieren. Sie verlieren, aber geben die Hoffnung nicht auf. Wenn sie nicht ihr Leben lang die Unterdrückung erdulden wollen, gibt es nur einen einzigen Weg: für die Freiheit zu kämpfen! Und wenn der Sieg nicht heute kommt, dann kommt er irgendwann in der Zukunft.

 

Erfolgreiche Schriftsteller des 20. Jahrhunders sind:

 

Memtimin Hoshur

Nurmuhemmet Yasim

Tohti Ayup

Alimjan Ismayil

Muhemmet Baghrash

Bughda Abdulla

Abdukadir Jalalidin

 



[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Diamant-Sutra