Umerziehungslager

 

Auszug aus einem Artikel von Nathan VanderKlippe, Asien-Korrespondent von The Globe and Mail (Juli 2018):

https://www.theglobeandmail.com/world/article-former-detainees-recount-abuse-in-chinese-re-education-centres/

 

Es heißt, dass sich derzeit bis zu einer Million Uiguren in Umerziehungslagern befinden, also fast ein Zehntel der uigurischen Bevölkerung Xinjiangs. Grund für eine Internierung sind vor allem drei Kategorien von Vergehen:
religiöse Aktivitäten; Auslandsreisen oder Kontakt zu Personen im Ausland; Missachten von Regeln wie: nicht Chinesisch sprechen, Nichtachtung der Peking-Zeit (zwischen Peking und Xinjiang liegen 2 Stunden Zeitverschiebung), dem Hissen der Nationalfahne fernbleiben.

 

Einige Uiguren, die in einem Umerziehungslager interniert waren, berichten:

Bewaffnete Wachen überall; Kameras beobachten jeden Insassen auf Schritt und Tritt, auch auf der Toilette; einigen werden unbekannte Medikamente verabreicht, werden misshandelt und gezwungen, Schweinefleisch zu essen; viele begehen einen Selbstmordversuch (was hart bestraft wird, sofern er misslingt). Alle werden von früh bis spät indoktriniert mit Parolen wie:

„Xi Jinping, Führer der Welt. Das neue China ist das großartigste Land. Alle anderen Länder, besonders die USA, sind schlecht. Kapitalismus ist schlecht, falsch und gescheitert. Sozialismus nach chinesischem Muster ist am besten.“

“Xi Jinping ist groß! Die Kommunistische Partei ist groß! Ich verdiente Bestrafung, weil ich nicht verstanden habe, dass Präsident Xi Jinping und die Kommunistische Partei mir helfen können.”

 

Regelmäßige Selbstkritik ist angesagt, oft zu schreiben bis spät in die Nacht:
„Meine Seele ist von einer schweren Krankheit befallen. Es gibt keinen Gott. Ich glaube nicht an Gott. Ich glaube an die Kommunistische Partei.“
Oder: „Ich bin so blind, dass ich die Großartigkeit der Gesetze unseres mächtigen Landes nicht erkannt habe. Ich bin so dumm, dass ich unserem Präsidenten Xi Jinping keine Dankbarkeit erwiesen habe.“
„Ich bin ein Verräter, ein Separatist und ein Terrorist.“

 

Vor und nach den Mahlzeiten rufen alle gemeinsam: „Lang lebe Xi Jinping! Möge er zehntausend Jahre leben!“ Es werden „rote“ Lieder gesungen und Slogan rezitiert, manche davon aus der Zeit der Kulturrevolution. Kommunistische Propaganda ist ein wichtiges Thema, ebenso die Lobpreisung Xi Jinpings, und man lernt auch, wie gefährlich es ist, ins Ausland zu fahren, weil man dort allzu leicht „infiziert“ werden kann.

 

Der Personenkult um Xi Jinping ähnelt bereits dem um Mao Zedong und seine Gedanken zur Staatsführung, veröffentlicht in einem Buch, werden an vielen Universitäten in speziell eingerichteten Seminaren studiert.